SEKEM Mai 2021

SEKEM - Luxor - Auf dem Nil

Posted on 06 August 2021, by Dietlind Hofmann

Ägypten im Mai 2021 trotz Covid-19 - eine wunderbare Reise

Lieber Herr Kreuer,

nun doch noch ein kleiner Bericht über unsere Ägyptenreise im Mai, die wir dank Ihrer Hilfe trotz Corona-Zeiten realisieren konnten. Wir waren darüber sehr glücklich und es hat sich in jedem Fall gelohnt. Zwar haben wir SEKEM fast ohne Menschen erlebt, aber die ganze Anlage mit ihrer einzigartigen Architektur und der wunderschön ausgewählten und gepflegten Vegetation erscheint einem ja wie eine Insel der Schönheit und dadurch auch der Menschlichkeit in der sonst eher trostlosen Umgebung der Kairoer Peripherie, wo zwischen unfertigen Häuserblocks, die Müll- und Schuttberge herumliegen. Die Führung durch SEKEM erhielten wir durch Rafik, der uns alles im Detail erklären konnte und mit dem wir außerdem bei dem langen Herumbummeln interessante Diskussionen hatten, eine erste Einführung in die ägyptische Gesellschaft und die Veränderungen der letzten Jahre, aber auch immer wieder, was das alles für SEKEM bedeutet. Überrascht waren wir darüber, wie weit sich die SEKEM-Projekte inzwischen ausgedehnt haben und dass sie offenbar bei vielen Ägyptern auf Interesse stoßen. Mir persönlich hat besonders der Schulbereich gefallen mit den Werkstätten und Töpfer/Tonateliers und die Förderung des kulturellen Bereichs überhaupt, z.B. die Möglichkeit zu musischer Ausbildung von Kindern der Umgebung, die dazu Talente haben. Natürlich wäre es schön gewesen, ein paar von diesen ägyptischen Menschen kennen zu lernen, aber dafür hätte man dann richtig länger bleiben müssen. Die Unterkunft, das Gästehaus war perfekt und das Essen nahezu für uns allein war sehr gut und gesund; in der Art haben wir das natürlich auf der restlichen Reise nicht gefunden. Unser Fahrer Mahmoud war wunderbar und unterhaltsam und bei den Pyramiden wurden wir von einem hochbewaffneten Bodyguard begleitet, ziemlich ungewohnt, aber auch mit ihm haben wir uns schließlich gut verstanden.

Aus Luxor hören Sie wahrscheinlich von allen Seiten Lobeshymnen über Gezira Garden, diese reizvolle subtropische Idylle zwischen den staubigen Straßen der Westbank. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, auch dank einer liebevollen Bedienung. Die Besichtigungen der monumentalen Tempelanlagen von Luxor und Karnak und dann der ausgedehnten Nekropolen der Westbank von Theben waren bei Temperaturen von ca. 35 - 40°C natürlich eine Herausforderung. Aber die Führung durch (ebenfalls) Mahmoud war hochinteressant. Er ist ja bis in jedes Detail informiert. Nur wenn man eigene Fragen hat, hapert es ein bisschen mit dem Deutsch. Aber ich glaube, er kann andere Sprachen und man kann nicht auf allen Gebieten top sein. Auf jeden Fall ist er ein perfekter Reiseführer.

Das Schönste und absolut Unvergleichliche dieser Reise war natürlich unsere Nilfahrt auf der Dahabeya, 5 Tage lang. Wir waren die einzigen Gäste, hatten wahrscheinlich die besten Kabinen und eine wunderbare Crew mit neun sehr interessanten Menschen (die Schlepperfahrer dazu genommen). Wir haben viel gesehen auf dieser Reise, aber das Wichtigste war, glaube ich, die Entstehung einer ganz einzigartigen, schwer fassbaren, aber tief beeindruckenden Stimmung. Ich denke, sie kam dadurch zustande, dass das Schiff so unglaublich langsam durch den Fluss geglitten ist und dadurch die Zeit fast angehalten hat. Und auch durch die langsame Wandlung der Ufer. Die Vegetation wurde immer dichter, die Palmenbestände und die absolut üppigen Mango- und Guavenwälder und andere Büsche und Bäume. Wenn man nah am Ufer fuhr, wurden Gerüche, Düfte und Geräusche, nämlich die ungewohnten Schreie der Vögel und die Rufe von Kindern hier und da, immer intensiver. Ähnliche Eindrücke wird man haben, wenn man in die Tropen fährt wie Joseph Conrad auf seiner Kongofahrt ins "Herz der Finsternis". Nur hier bei uns am Nil gab es ja hinter dem grünen Dickicht immer noch die Wüsten, rechts die lybische und links die arabische. Also für die Phantasie gab es da auf jeden Fall einen weiten Raum. Und die Männer der Crew waren ja nicht nur für das Funktionieren des Schiffes wichtig, sie verstärkten auch diese besondere Atmosphäre durch ihre (meist) ruhige Anwesenheit. Sie schauten aufs Wasser, bewegten sich hier und da in ihren langen Dalabeyas über das Deck, machten ruhig ihre Arbeit und waren sehr freundlich zu uns. Vor allem Mustafa, der uns mit wirklich gutem Essen bediente und mit dem wir mehr und mehr ins Gespräch kamen. Mit dem Reiseleiter Ahmed hat es für uns gut geklappt, nur für ihn war es, glaube ich, eine arge Belastung: er wurde praktisch aus dem Bett geklingelt für den Job mit uns und musste dann nachts um drei in den Zug steigen, um uns am nächsten Morgen in El Kab zu treffen. Das war ein bisschen knapp organisiert von Jane, wenn ich das richtig verstanden habe. Wir hatten darunter nicht zu leiden und Ahmed erwies sich als ein wunderbarer Erzähler, durch den wir auf dieser tagelangen Reise ganz viel über ägyptisches Alltagsleben, Gesellschaft, Familien, Heiraten, traditionelle Bräuche wie Beschneidungen von Jungen und Mädchen (und die ganzen Schrecklichkeiten, die damit verbunden sein können) erfahren haben. Das waren unschätzbare Erfahrungen, so haben wir ein wenig mehr verstanden, in was für einem Land wir uns befinden. Die kunsthistorischen Führungen waren in Ordnung, so versiert wie Mahmoud in Luxor ist wahrscheinlich kaum jemand sonst. Eine kleine Anmerkung, weil wir uns da tatsächlich geärgert haben: in Darau wollten wir ja zum Kamelmarkt bzw. stand es so in dem Programm und die Männer sprachen auch davon. Dann fuhren wir in Darau eine zeitlang herum und es hieß, sie suchten den Eingang zum Markt, was uns schon wunderte. Und schließlich ging es in einen relativ kleinen Hof mit 5 Kamelen. Von Markt keine Spur. Endlich kam heraus, dass der Kamelmarkt gar nicht freitags stattfindet sondern sonntags. Und das wussten unsere Leute offensichtlich von Anfang an, haben es uns aber nicht gesagt. Mein Sohn war sauer und ich war auch nicht amused, dachte aber, dass das eventuell eine typische Haltung der Ägypter ist, dass sie einfach nicht zugeben können, wenn etwas nicht klappt, um ihr Gesicht zu wahren. Naja, dafür können Sie nichts. Aber vielleicht sollte man mal heraus finden, wann tatsächlich dieser Kamelmarkt stattfindet. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, weil ich den riesigen Tier- und Kamelmarkt von Kashgar kannte, bei den Uiguren, den es womöglich heute gar nicht mehr gibt. Die Crew hat sich wirklich liebevoll um uns gekümmert. Es gab ein Picknickessen am Strand, Schwimmen im Nil und einen äußerst föhlichen Musikabend mit Trommeln, Singen und Tänzen. Das war einfach wundervoll, was die Männer da präsentiert haben. Der Abschied vor Assuan ist uns richtig schwer gefallen.

Dann kam unser Abschnitt der Reise in Assuan mit noch einmal sehr starken Eindrücken und Erlebnissen, auch heftigen Schwierigkeiten, Krankheit und Zusammenstößen mit der ägyptischen Mentalität. Aber das will ich jetzt nicht weiter ausführen. Die Nubier waren sehr freundlich und umsorgend, als mein Sohn so krank wurde ...

Mit herzlichen Grüßen

Dietlind Hofmann

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