SEKEM PUR erleben

eine wunderbare Woche SEKEM PUR

Posted on 21 March 2019, by Esther und Felix Hitz

Wir folgten dem Programm in seiner Tag-für-Tag Beschreibung und erlebten die Kontraste SEKEM, modernes Kairo und die alten Kulturschätze

SEKEM PUR

Beitrag für das Reise-Journal

März 2019 - Innerhalb einer Woche eine besondere Initiative besuchen und gleichzeitig noch ein paar Kulturglanzlichter mitnehmen, und dies noch in einer organisierten Gruppenreise?

Keine gute Idee!

Ankunft am Flughafen Kairo mitten in der Nacht. Jede Abfertigung überraschenderweise ohne geringste Schwierigkeiten. Der Fahrer? Ganz am Rande einer langen Reihe von Fahrern aller Gattungen steht einer mit einem grossen SEKEM-Schild. Geht doch! Nach einer einstündigen Fahrt in spärlichem Licht, einmal links, einmal rechts an sehr kreativ oder auch gar nicht beleuchteten Lastwagen, Bussen und anderen Gefährten vorbei fahren wir auf der SEKEM-Farm beim Guesthouse vor. Alles still, niemand hier. Der Fahrer packt einen Koffer, trägt ihn die Treppe hoch, klaubt einen Schlüssel aus der Tasche, öffnet ein Zimmer und stellt den Koffer drinnen ab. "Your room, please" sagt er höflich. Das Trinkgeld müssen wir ihm fast aufdrängen und weg ist er. Er heisst Mahmud. Als wohlorganisierte Schweizer kommen wir kaum aus dem Staunen heraus. Ist das Ägypten?

Am ersten Tag lässt man uns ausschlafen. Wir verpassen die vormittägliche Führung im SEKEM-Areal. Bei einem Kaffee erklärt uns Concierge Sayed das Was, Wann und Wo bei SEKEM und was diese Woche auf uns wartet, und schon stehen wir in der Cafeteria Schlange für ein wunderbares Mittagessen. Schnell entstehen Kontakte mit jungen Leuten aus Deutschland und Holland. Sie arbeiten und studieren hier in verschiedensten Projekten und Vorhaben.

Wir erkunden das Gelände auf eigene Faust. Überall freundlichste Gesichter. Keiner geht ohne Gruss an uns vorbei. Eine angehende Textildesignerin aus Deutschland macht hier ihr Praktikum. Auf einem Rundgang durch die Textilfabrikation erfahren wir alles aus erster Hand. Bedarfsabklärung, Formulieren von Wunschvorstellungen, Musterproben, Design, Auftragsabwicklung, Fabrikation, Qualitätssicherung, Verpackung und Versand. Professionelle, straff strukturierte Abläufe und trotzdem eine friedliche, freundliche und stressfreie Atmosphäre. Das sind hier nicht Gegensätze. Die hier arbeitenden Frauen und Männer zeigen mit Stolz ihr Werk. Obwohl wir über die Grundidee und die erfolgreiche Geschichte gut im Bild sind haben wir schon am ersten Tag eine gehörige Lektion SEKEM-live erhalten!

Es geht die ganze Woche weiter so. Ausflug zu den Pyramiden. Wohl organisiert. Fahrer steht schon vor dem Frühstück bereit. Die "Reisegruppe" besteht aus uns und einem freundlichen Ehepaar aus Deutschland. Also kein Marsch hinter dem hochgehaltenen Fähnchen! Irgendwo an der Autostrasse durch Kairo nehmen wir unsere Reiseleiterin Nihal an Bord. Sie spricht perfekt Deutsch und ist Historikerin. Sie wird uns auf allen Ausflügen begleiten. Das ist kaum zu überbieten. Kurze Pause im Mena-House auf dem Weg zu den Pyramiden. Bald lernen wir etwas unbeholfen und mit kleinen Pannen uns von den vielen Händlern höflich auf Distanz zu halten. Nihal erläutert uns wesentliche geschichtliche Zusammenhänge. In tiefer Ergriffenheit stehen wir dicht vor diesen Riesenbauwerken aus ferner Zeit und blenden das Jahrmarkttreiben um uns her aus.

Fahrt zur Stufenpyramide und Grabanlage von Sakkara. Hier sind wir fast allein und ungestört. Mittagspause in einem Gartenrestaurant mit Musik und Rückfahrt entlang einer erstaunlichen Zahl von Teppichknüpfschulen. Wir verfestigen am nächsten Tag unsere kulturhistorischen Erfahrungen mit einem Besuch im Ägyptischen Museum. Gemeinsames Mittagessen mit traditioneller Speisekarte mitten in der Stadt, und Spaziergang durch den bunten Khan-el-Khalili-Bazar. Dank Nihals Begleitung werden wir nicht belästigt und fühlen uns sicher.

Am fünften Tag konzentrieren wir uns wieder auf SEKEM. Die Farm ist ein wohltuender Gegensatz zur umtriebigen, lärmigen und schmutzigen Stadt. Wir nehmen an der farbenfrohen Schulfeier teil und besuchen eine musikalische Darbietung mit Eltern und Schülern. Im SEKEM-Shop machen wir uns über das vielseitige Angebot her. Leider findet der heutige Höhepunkt nicht statt. Der grosse Wochenabschiedskreis mit allen Mitarbeitern am Vorabend zum Freitagsgebet wird wegen aufziehenden Regens abgesagt.

Auf der längsten und eindrücklichsten Fahrt kommen wir zur Oase Fayyum. Das ursprüngliche Sumpfgebiet wurde im Mittleren Reich (rund 2000 v.Chr.) trockengelegt und seither bebaut. Wir kehren bei einer Fellachen- Familie ein und besuchen mit dem Bauern sein mit ausgeklügelten Wassergräben versorgtes Kulturland. Ackerbohnen, Kamille, Dill, Calendula, Koriander sind einige seiner Erzeugnisse. Im Knoblauchfeld gucken die Spitzen von Zitronengras zwischen den Reihen aus dem Boden. Nach der Knoblauchernte wächst es hoch und die zweite Ernte folgt. Der Bauer führt uns seine zahlreiche Familie vor. Stolz erklärt er, dass er für 35 Familienmitglieder sorgt. Heute findet ein Verlobungsfest einer Nichte statt. 200 Besucher sind eingeladen, es werden aber etwa 250 erwartet. Auf der ganzen Reise werden wir von einer schwer bewaffneten Polizeieskorte begleitet. Wir können uns sicher fühlen. Offensichtlich werden die Besucher im Land gut geschützt. Jeder Ausflug unserer Gruppe wird im Voraus gemeldet und die Polizei hält Kontakt mit unserem Fahrer.

Die vielen und dichten Erlebnisse der vergangenen Tage erscheinen uns wie zwei voll bepackte Wochen. Wir verzichten auf den letzten Programmpunkt, die älteste koptische Kirche, die bekannte Alabaster- und die IbnTulun-Moschee zu besuchen. Zufälligerweise ergibt sich die Gelegenheit im Schulhaus eine überaus humorvolle Aufführung des grossartigen Lichteurythmie-Ensembles aus Dornach-Arlesheim zu geniessen. Es bleibt noch genügend Zeit, auf einem ausgedehnten Spaziergang durch die SEKEM-Anlage eine turbulente, intensive und gleichzeitig friedliche Woche verklingen zu lassen, bevor wir am nächsten Tag unsere Heimreise in die andere Welt antreten.

SEKEM PUR? - eine sehr gute Idee!

Esther + Felix Hitz

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