10 Tage Ägypten

eine spannende Reise nach SEKEM und Luxor

Posted on 18 December 2018, by Helga Erhart

viele Begegnungen mit dem zukunftsweisenden Ägypten in SEKEM und eine erste Begegnung mit dem Alten Reich, von dem wir alle so sehr zehren und wissen sollten ...

Lieber Herr Kreuer!

Gerne schicke ich Ihnen einen Bericht von unserer wunderschönen und wohlgelungenen Ägyptenreise vom 4. – 14. 11. 2018, die noch immer bei mir nachklingt. Ihre Organisation, in unserem Fall mit spontaner erzwungener Änderung wegen eines Überfalls in der Wüste, verdient ein großes Lob! Wir konnten Ihnen voll vertrauen z.B. bei unserem abendlichen Flug von Luxor nach Kairo, nicht wissend von wem, wohin und ob überhaupt wir vom Flughafen aus irgendwohin gebracht würden, um die Nacht einigermaßen behütet zu verbringen. Wir landeten ja dann nach rasender Fahrt (mit dem Taxi) durchs nächtliche Kairoer Verkehrsgewühl spät in einem Traumhotel mit romantischer Terrasse inmitten düsterer Hochhäuser und genossen am nächsten frühen Morgen ein fürstliches Frühstück. Haben Sie Dank!

Unsere Führer haben all unseren Fragen und Wünschen standgehalten und haben uns vor allzu zudringlichen Verkäufern geschützt. Natürlich haben die vielen Trinkgelder unsere Börsen ziemlich geschunden, aber wir haben auch gerne ein wenig ausgeteilt.

Ich würde gleich wieder nach Ägypten reisen! Die schönen Menschen, das bunte Treiben – Autos, Eselskarren, Frauen mit Lasten auf dem Kopf, Fahrrad fahrende Bäckergesellen, zwei Meter lange Stangen mit Brotlaiben auf dem Kopf balancierend, kunstvoll und eilig zwischen den Autos lavierend, Männer und Frauen in langen Gewändern, die jungen Mädchen in engen Jeans und mit dem Kopftuch geschmückt – und der hoheitliche Himmel im reinsten, leuchtenden Blau haben es mir angetan.

Mein Wunsch, Wüste zu erleben, hat sich gesteigert, nachdem wir einen nächtlichen Ausflug vor die Mauern von Luxor gemacht hatten, um ein koptisches Kloster zu besuchen. Die ängstlichen Nonnen erlaubten nur uns beiden Frauen – schweigend – einzutreten. Ihr ärmliches, frommes Leben, dem Christus geweiht, hat uns tief angerührt. Die Fahrt dorthin durch Dörfer, wo Gruppen von Frauen und Kindern und Gruppen von Männern in würdigen und bequemen Galabeyas den Feierabend vor ihren ärmlichen Lehmziegelhäusern genossen, gab uns einen tiefen, wenn auch nur flüchtigen Einblick in das Leben dort.

Ich kann hier nicht alles beschreiben, was wir gesehen haben: das ägyptische Museum in Kairo, den Basar, die Pyramiden von Gizeh, den Sphinx, Sakkara, Karnak, Luxor, das Tal der Könige mit dem Tempel der Hatschepsut u.v.m. Für all das bräuchte man gewiss mehr Muße und Einsamkeit! Trotzdem hat mir Gizeh einen anfänglichen und geheimnisvollen Eindruck von Ewigkeit und Wüste geschenkt. In den Tempeln und Gräbern entdeckte ich, dass wir ja durch riesige Bibliotheken wandern, wo alles, was die Menschen damals taten, in Bildern und Hieroglyphen aufgezeichnet wurde, so dass wir doch so viel über sie wissen können.

Ja, und Sekem! Die begeisterten Initiativen dort haben uns tief beeindruckt: Landwirtschaft, Kräuterverarbeitung, Arzneimittelherstellung, Weberei, Näherei, Schule, die Universität Heliopolis und das schöne, großzügige Gästehaus mit offenem Innenhof und einem prächtigen Baum darin – es regnet ja (fast!) nie. Alle Häuser sind in schöner Architektur aus Lehm gebaut, weiß getüncht, die Wege und Straßen von Bäumen, Büschen, Feldern und Wiesen gesäumt, das Ganze umgeben von einer stabilen Lehmmauer. Des Morgens strömen ägyptische Arbeiter und Arbeiterinnen zum Eingangstor, das von mehreren Männern fröhlich und sicher Tag und Nacht bewacht wird. Die Mitarbeiter kommen von allen Seiten an, über die Wüstenstraße auf Fahrrädern, zu Fuß oder in vollgepferchten Kleinbussen. Donnerstagnachmittags werden alle per Handschlag freundlich in den Feiertag entlassen, der ja am Freitag ist.

Eines Abends tauchte bei uns im Gästehaus eine Gruppe deutscher Gäste auf, Menschen, die sich einsetzen für alle Belange von Sekem, einige davon sogar von der Gründung an. Dabei war auch Herr Bruno Sandkühler, der ja berühmt ist für seine Führungen und Bücher über Ägypten. Ich fühlte mich wie am Quell großer Erforschungen einer großen Vergangenheit und großer Ideen für eine gute Zukunft; denn in Sekem wirken viele Menschen mit hohen Idealen für nachhaltiges Produzieren und soziales Miteinander der Kulturen und Religionen. Auch eine Gruppe von deutschen Studenten und Seminaristen erzählte von ihrem Vorhaben, nämlich wie man des Plastikmülls Herr werden könnte, der in Kairo Kanäle und Straßenränder in unvorstellbaren Mengen bedeckt.

Fünfmal in 24 Stunden konnte man von zwei Dörfern her die weithin tönende Lautsprecherstimme des Muezzin hören – auch nachts. Was mich auch sehr beschäftigt hat: In allen ägyptischen Schulen versammelt sich jeden Morgen die gesamte Schüler- und Lehrerschaft zum gemeinsamen Gebet und Singen der Nationalhymne. Ich meine, dass man auch deshalb im ganzen Land so etwas wie ein tragendes Gemeinschaftsgefühl erspüren kann.

Unvergessen ist mir mein erster ägyptischer Eindruck, als wir per Flugzeug von Frankfurt kommend über dem nächtlichen Kairo einschwebten: Eine Stadt, schillernd in vielen Farben, die Straßen leuchtende Lichterketten, die sich schnurgerade in dunklen Fernen verlieren, dazwischen viele große dunkle Flächen – Wüstengebiete, Trabantenstädte – und dahinter die unendliche weite dunkle Ferne.

Trotz des vollen Programms war es für mich überraschenderweise eine erholsame Reise dank der guten digitalen, globalen und vertrauensvollen Zusammenarbeit so vieler Menschen, die sich durch Sekem zusammengefunden haben!

Helga Erhart am 7. Dezember 2018

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